Kolping

Kolping-Bildungszentren stellten Pilot-Projekt für Autisten vor

Eingeschränkt und zugleich begabt

Autismus-Fachtagung in Olpe (von links) Kathrin Grötschel, Werner Sondermann (beide Kolping), Hajo Seng und Katja Hardenfels (Betroffene), Thorkil Sonne, Landrat Frank Beckehoff und Friedhelm Hoffmann, Behindertenbeauftragter des Kreises Olpe.Auffenberg, KBW
Olpe. Eine eigentümliche Zeichnung legte der kleine Lars eines Tages seinem Vater vor: eine Wolke aus Kästchen, in denen Zahlen standen. Es dauerte eine Weile, bis Thorkil Sonne begriff, was sein Sohn da bis ins Detail korrekt gezeichnet hatte: das Inhaltsverzeichnis einer Straßenkartensammlung, das sie ein paar Tage zuvor angeschaut hatten. Und schlagartig erkannte er, dass sein Sohn, der Autist auch auf eine ganz spezielle Weise begabt ist. Heute führt der Däne die Firma „Specialisterne“, was auf Deutsch „Die Spezialisten“ heißt. Die Firma beschäftigt autistische Menschen und „verleiht“ sie an große Unternehmen, wo sie programmieren oder Zahlenkolonnen kontrollieren.

 

Normalerweise beeindruckt Sonne mit dieser Geschichte Ärzte oder Unternehmer, in ganz Europa ist er unterwegs. Jetzt hatte er in Olpe erstmals Gelegenheit, zu Betroffenen und Vertretern verschiedener Behinderten-Einrichtungen zu sprechen. Und die waren nicht minder beeindruckt. Denn sie hörten einen Mann sprechen, der die Lösung für ein Problem praktiziert, mit dem sie sich teils seit Jahrzehnten herumschlagen: einen passenden Arbeitsplatz und damit einen passenden Platz im Leben zu finden.

 

Sonne sprach bei einer Fachtagung im Olper Kreishaus, zu der die Kolping-Bildungszentren Südwestfalen eingeladen hatten. Dort nämlich gibt es seit einem Jahr ein durch den Landschaftsverband Westfalen Lippe gefördertes Projekt namens KOMPASS, das Menschen mit Autismus auf das Leben in der Arbeitswelt vorbereiten will. „Autistische Menschen sind eine spezielle Zielgruppe“, weiß Katrin Grötschel, Leiterin des Kolping-Berufsförderungszentrum in Olpe. Ausgerechnet die heute so wichtigen sozialen Kompetenzen fehlen Autisten häufig: Smalltalk mit Kollegen beherrschen sie nicht, Ironie ist vielen unverständlich. Sie können nicht zwischen den Zeilen lesen und hören nicht, was unausgesprochen gesagt wird. Dafür sind sie extrem genau. Das macht sie zum einen teamunfähig, befähigt sie aber andrerseits für Aufgaben, an denen andere, nicht Betroffene scheitern würden. „Ich konnte EEG-Kurven besonders gut lesen“, erzählte Katja Hardenfels im Kreishaus. Sie hat Autismus und war lange als Krankenschwester in einem Schlaflabor tätig. „Mit dieser Gabe habe ich meine Kollegen und Vorgesetzten genervt.“ Und manche Patienten gerettet.

 

Das KOMPASS-Projekt setzt genau hier an. „Neben der beruflichen Qualifikation fördern wir besonders die lebenspraktischen und sozialen Kompetenzen“. Eine Idee, die viel Beifall in Olpe fand. Auch, dass Kolping die Initiative ergriffen und alle, die sich für Autisten engagieren, eingeladen hatte, sorgte für Anerkennung. Landrat Frank Beckehoff dankte Kolping und betonte, die Inklusion sei eine gesellschaftliche Aufgabe, die ein solches Netzwerk brauche.

 

Für die Mitarbeiter von Kolping steht fest, dass die Kooperation mit anderen autistischen Einrichtungen und Diensten noch weiter forciert werden muss, um im Sinne der Betroffenen individuelle Lösungsmöglichkeiten, für ihre Anliegen, bieten zu können. 

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