Kolping

Frohe Pfingsten

Von Babel nach Kolping

Robert J. ist Brite. 1995 ging er zur Armee, die ihn in Deutschland stationierte. Achteinhalb Jahre trug er die Uniform, danach blieb er noch ein bisschen in Deutschland, dann zog es ihn zurück in seine Heimat, zu seinen Freunden, den Menschen seiner Sprache. So dachte er jedenfalls. Doch in England waren seine Freunde verheiratet, hatten Kinder oder waren weggezogen. Die Heimat war ihm abhanden gekommen und er kehrte zurück nach Deutschland, wo er wenigstens ein paar Leute kannte. Schon als Soldat hatte er Kontakt zu Deutschen, er spricht ihre Sprache ganz gut, aber, so sagt er, es reicht nicht, um Arbeit zu finden. Schreiben und Grammatik sind sein Problem. So kam er ins Kolping-Berufsförderungszentrum Paderborn/Höxter und besuchte dort einen Sprachkurs. Offiziell nennt sich der Kurs „Maßnahme im Rahmen des ESF-Bundesprogramms ,Stärkung der berufsbezogenen Sprachkompetenz für Personen mit Migrationshintergrund’“. Fünf Kolleginnen und Kollegen arbeiten in dem Bereich als Lehrkräfte.

Bei Menschen mit Migrationshintergrund denken die meisten wohl nicht an ehemalige britische Soldaten, sondern an Menschen wie Mohamad R. Er sitzt im selben Kurs wie Robert J. Seine Geschichte geht so: Im November vergangenen Jahres kam er aus Afghanistan hierher. Er ist nicht geflohen, sondern seiner Frau gefolgt, die schon seit 17 Jahren in Deutschland lebt. Nur die Liebe hält ihn hier, denn eigentlich will er zurück. Nach Afghanistan? „Dort ist es heute besser als vor zehn Jahren“, sagt er. Dort hat er als Bauingenieur gearbeitet, hier in Deutschland hat er ein Praktikum im Marktkauf gemacht. Durch den Sprachkurs bei Kolping hofft er auf die Möglichkeit, einen Job als Lagerist oder als Verkäufer zu finden.

Katarzyna von Renesse Katarzyna von Renesse Zwei Männer, zwei Geschichten, wie sie Katarzyna von Renesse wahrscheinlich tagelang erzählen könnte. Geschichten von Menschen, die voller Hoffnungen auf ein besseres Leben nach Deutschland gekommen sind und nun mit spärlichen Sprachkenntnissen versuchen, irgendwie zurecht zu kommen. Die Pädagogin in der Abteilung Erwachsenenbildung des Kolping-Bildungswerks ist mit ihrer Kollegin Sabine Kühne zuständig für den Bereich Migration. Beide haben ihr Büro in Soest. Dort, in der alten Hansestadt, die in frühen Zeiten durch den globalen Handel reich wurde, gehören sie zu einem Netz, das Migranten betreut und begleitet. Dass das Kolping-Bildungswerk solche Sprachkurse anbietet, findet von Renesse völlig normal: „Wir sind für benachteiligte Menschen da“, sagt sie, „und Migranten sind benachteiligt.“ Ohne ausreichende Deutschkenntnisse ist es fast unmöglich, Arbeit zu finden. Schon allein aus Haftungsgründen: „Ein Arbeitnehmer muss Warnschilder lesen und muss Anweisungen verstehen können."

 

Silvia Steven Silvia StevenFotos: Auffenberg Auch Silvia Steven, im BFZ Paderborn/Höxter zuständig für die dortigen Kurse, sagt, Sprache sei extrem wichtig. „Wenn in der Werkstatt einer ruft: ,Hol mal den 13er Schlüssel!’ dann muss der ausländische Kollegen natürlich wissen, was er holen soll.“ Die Kursteilnehmer, die das verstanden haben, sind in der Regel sehr motiviert. Was ihnen zu schaffen macht, ist der Behördendschungel, durch den sie müssen. Den beklagt auch Katarzyrna von Renesse: „Eigentlich müsste ich jetzt schon das Reden mit den Menschen lassen.“

Mit Menschen reden, ist auch in der Altenpflege wichtig. Und auch dort, in den Altenheimen wächst die Zahl der Migranten. Viele sind eben doch nicht zurück nach Hause gegangen, sie werden nun in Deutschland alt und pflegebedürftig. Das Fachseminar für Altenpflege in Gütersloh startet daher einmal jährlich ein Projekt „Thementage Migration“, um die angehenden Pflegekräfte dafür zu sensibilisieren. Dort erfahren die Teilnehmer zum Beispiel in Rollenspielen, wie es ist fremd zu sein. Sie befassen sich mit kulturellen Unterschieden, die nicht nur im Umgang mit den pflegebedürftigen Menschen relevant sind, sondern auch im kollegialen Miteinander.

Menschen mit Migrationshintergrund sind eben nicht nur Teilnehmer, Klienten oder Patienten, sondern in vielen Einrichtungen auch Kollegen.

 

 

7. Juni 2011, Claudia Auffenberg

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