Aus der Behindertenwerkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt
„Wenn es regnet, werden wir alle nass“
Der Sommer könnte kommen! Andreo La Rocca jedenfalls steht bereit.Foto: Auffenberg, KBWHöxter. Dies ist die Geschichte von Andreo La Rocca (34). Der Mann ist kein italienischer Heldentenor, um Mut geht es dennoch. La Rocca ist Mitarbeiter der Stadt Höxter, genauer gesagt, der Stadtgärtnerei. Bis zum Frühjahr dieses Jahres arbeitete er in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) und sortierte dort Verpackungen. Jetzt bereitet er sich auf den Motorsägenführerschein vor.
Seit einigen Jahren macht sich in der Gesellschaft die Erkenntnis breit, dass Menschen mit Behinderung nicht automatisch leistungsunfähig sind, sondern dass es lohnt, genauer hinzuschauen und Inklusion auch in der Berufswelt zu leben. Viele Menschen mit Handicap sind sehr wohl willens und in der Lage, Leistungen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erbringen. „Es kommt auf die Bedingungen am Arbeitsplatz an“, sagt Verena Preuss vom Integrationsfachdienst, „genau wie bei Menschen ohne Behinderungen eben.“
Der Integrationsfachdienst (IFD) ist ein Angebot an Arbeitgeber und Arbeitnehmer, um Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz zu begleiten. Mittlerweile gibt es eine Reihe Förderprogramme des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe oder der Arbeitsagentur, die der IFD aufgreifen kann. Aber es braucht Menschen, die mitmachen.
Andreo La Rocca träumte schon lange davon, die WfbM zu verlassen und woanders zu arbeiten. Als ihn der soziale Dienst der Werkstatt eines Tages fragte, ob er sich ein Praktikum „draußen“ zutraue, sagte er sofort zu. Es verschlug ihn zur Stadtgärtnerei, einer Truppe handfester Typen, die ihn herzlich aufnahmen. „Er wurde sofort ins Team integriert“, sagt Martin Fischer, Leiter der Stadtgärtnerei und Frank Au, der Mitarbeiter, der La Rocca unter seine Fittiche genommen hat, ergänzt: „Wir haben hier keine Hierarchie, er gehörte gleich dazu“. Natürlich, wie jeder Neue, musste auch La Rocca angelernt werden, aber: „Wenn es regnet, werden wir alle nass.“
Entsprechend locker hatte das Team im Frühjahr die Ankündigung hingenommen, dass da einer aus der WfbM für ein Praktikum kommen will. Die Frage war nicht: „Oh Schreck, was machen wir mit dem?“, sondern: „Kann man den gebrauchen?“, erinnert sich Frank Au. Sehr schnell war klar: Man kann! Hecken schneiden, Rasenmähen, Mülltonnen leeren. Das alles macht La Rocca inzwischen, natürlich im Team, aber das machen sie hier sowieso. „Wir haben immer auf ein Problem mit ihm gewartet“, sagt Au, „aber es ist keins gekommen.“
Im Moment arbeitet La Rocca auf der Freizeitanlage Godelheim. Dort warten sie auch. Auf den Sommer. Der könnte bald mal kommen.
Infokasten:
Der Integrationsfachdienst (IFD) ist ein Angebot des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe an Arbeiternehmer mit Schwerbehinderung und deren Arbeitgeber. Im Hochstift Paderborn wird er von einer gemeinsamen GmbH des Kolping-Bildungswerks Paderborn und der Lebenshilfe Kreisverband Paderborn getragen. Mit Hilfe des IFD werden Menschen mit Behinderungen im Arbeitsumfeld begleitet und Arbeitgeber über mögliche finanzielle Unterstützungen informiert. Ansprechpartnerin für den Kreis Höxter ist Verena Preuss, Tel.: 05251-6949223.
