Kolping

Über das Glück im Alter

"Wir sind aufeinander angewiesen"

Kolping Bildung für Senioren (von links) Kolping-Geschäftsführer Werner Sondermann, die beiden Koordinatorinnen Dr. Marita Hense und Gisela Buschmeyer, die Kolping-Referenten Hubertus Weitekamp und Sascha Dederichs, Landrat und Schirmherr Manfred Müller und Prof. Rainer Dollase.Foto: Auffenberg, KBWPaderborn. Der Ruhestand, so lautet des Professors gewagte, aber irgendwie sympathische These, ist die wahre Bestimmung des Menschen. Wer ein Haustier hat oder einen Zoobesuch hinter sich, kann sich durchaus fragen, ob es der Schöpfungsordnung entspricht, die meiste Zeit des Tages aktiv zu sein.

Rainer Dollase (68), Psychologe aus Bielefeld, weiß nicht nur aus fachlicher Sicht, wovon er spricht. Inzwischen ist er selbst im Ruhestand und erlebt am eigenen Leib die Vorteile dieser Lebensphase: Zeit, Erfahrung und vor allem: Freiheit. Ruhestand heißt nicht, dass man den ganzen Tag auf dem Sofa liegt, wohl aber, dass man es könnte, wenn man wollte. Rainer Dollase will das nicht und so hält er ab und zu Vorträge und spricht über das Glück im Alter. Jetzt hatte ihn das Kolping-Bildungswerk Paderborn eingeladen, um zum Auftakt des neuen Projekts zu sprechen.

Dollase lobte die Idee, in den Familienzentren Seniorenbildung anzubieten. Die Idee hat aus seiner Sicht auch eine überraschende gesellschaftliche Relevanz: „Unzufriedene Alte können eine zerstörerische Kraft entwickeln“, sagte er und nannte als Beispiel die Art der Auseinandersetzungen um Stuttgart 21. Doch zum Glück im Alter können zuerst die Senioren selbst beitragen. So riet er dazu, einen Kult ums eigene Leben zu machen. „Prominente schreiben Biographien und die Putzfrau könnte doch mal die Quadratmeter errechnen, die sie in ihrem Berufsleben geputzt hat.“ Wichtig sei es auch, die eigenen Kontakte zu pflegen und zu selektieren: „Wenn Sie erfolgreiche, wohlhabende Freunde haben, denen immer alles im Leben gelingt, brechen Sie den Kontakt sofort ab!“ riet er etwas augenzwinkernd, sonst werde man unglücklich.

Glücklich hingegen mache der Kontakt zu jungen Leuten. „Das hält jung!“ Er mahnte zugleich, in Sachen Bildung nicht zuviel zu erwarten von den Alten: „Lernen geht im Alter schlechter“ sagte er, „Wir sind nicht mehr so multitaskingfähig!“ Dennoch sollten die Senioren weiterhin Interesse an anderen Menschen pflegen. Dollase warnte vor zuviel Selbstverwirklichung. Wer die Kinder aus dem Haus geekelt habe, weil alle Welt über das „Hotel Mama“ gelästert habe, der müsse sich nicht wundern, wenn die später die Pflege nicht übernehmen wollen. „Wir sind alle aufeinander angewiesen“, so Rainer Dollase.

Zum Projekt:

Seit aus den Kindergärten mehr und mehr Familienzentren werden, müssen die ein generationenübergreifendes Angebot machen. Weil das Kolping-Bildungswerk zum einen Fortbildungsangebote für Erzieherinnen und zugleich Bildungsangebote für Senioren im Programm hat, kombinierten die Referenten beides und entwickelten mit den Einrichtungsleiterinnen ein ganzes Tablot an Themen und Veranstaltungsvorschlägen.

Bildung mit Wert

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