„Der Mensch muss das Betriebssystem bleiben“

Kolping-Leitungskräfte diskutieren über Digitalisierung

Soest/Paderborn. Auf der traditionellen Frühjahrskonferenz haben über 80 Leitungskräfte des Kolping-Bildungswerkes Paderborn und des Kolpingwerkes Diözesanverband Paderborn das Schwerpunktthema „Digitalisierung“ diskutiert. Inputs während der dreitägigen Veranstaltung lieferten Dozenten der Universität zu Köln und der Universität Mannheim, des JFF Berlin-Brandenburg sowie Anitra Eggler, die als ehemalige Internetmanagerin aktuell als Vortragsrednerin auf das Thema Digitalisierung spezialisiert ist.

„Die Digitalisierung ist ein Segen – sie wird aber zum Fluch, wenn wir uns zum Sklaven dieser Entwicklung machen lassen“, sagt Anitra Eggler, die eindringlich dafür plädiert, „dass der Mensch das Betriebssystem bleiben muss“. Deshalb sei Medienkompetenz entscheidend. Unterhaltsam hielt sie den Teilnehmern den Spiegel vor und stellte 13 Tricks zur digitalen Selbstverteidigung dar. „Wir lassen uns alle sieben Minuten auf der Arbeit von E-Mails und Kurznachriten ablenken. Das erzeugt Stress und bedeutet für die Unternehmen einen hohen Produktivitätsverlust“, so Eggler weiter.

Das Projekt „#ko-vernetzt“ setzt genau an diesem Punkt an. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfond (ESF) wird das Projekt in den kommenden drei Jahren im Kolping-Bildungswerk Paderborn gemeinsam mit der Universität zu Köln, der Universität Mannheim sowie dem JFF-Institut Jugend Film Fernsehen Berlin-Brandenburg umgesetzt. Es geht der Frage nach, wie ein großer Bildungsdienstleister unter Einbezug aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die digitale Zukunft geführt werden kann. „Dabei spielt die medienpädagogische Qualifizierung des Personals eine große Rolle“, ist sich Dr. Guido Bröckling vom JFF Berlin-Brandenburg sicher. „Es muss uns gelingen, alle mit auf den Weg zu nehmen und flächendeckend eine berufsbezogene Medienkompetenz zu verankern“, so der promovierte Medienwissenschaftler weiter. In fünf Arbeitsgruppen wurden die wichtigsten Aspekte des Projektes diskutiert, Bedarfe analysiert und Fragen beantwortet, damit der nächste Schritt, die Etablierung von Themenworkshops, bald in den Einrichtungen des Bildungswerkes vollzogen werden kann.

„Wir sind auf einem sehr guten Weg“, resümierte Bildungswerk-Geschäftsführer Wolfgang Gelhard. „Wir stellen uns der Herausforderung und haben uns fest vorgenommen, durch digitale Tools interne Prozesse zu optimieren und die externe Produktentwicklung in diesem Bereich voranzubringen“, so Gelhard weiter. Dieser Prozess sei notwendig, aber man lasse sich ausreichend Zeit, die einzelnen Schritte immer wieder mit dem Leitbild abzugleichen. Die Maxime „Bildung mit Wert“, die den Mensch in den Mittelpunkt des Handels stellt, werde man niemals zugunsten kurzfristiger Erfolge aufweichen lassen. Vielmehr sei Nachhaltigkeit entscheidend. Das gilt laut Gelhard auch für alle anderen Geschäftsfelder. Gemeinsam mit Diözesansekretär Thorsten Schulz zog er ein sehr positives Fazit der Tagung. „Man hat gespürt, dass die Mitarbeiter des Verbandes und des Bildungswerkes optimistisch in die Zukunft schauen. Der Wille zum Aufbruch ist deutlich zu spüren“, so Schulz.

Über 80 Leitungskräfte nahmen an der diesjährigen Frühjahrskonferenz im Hotel Susato in Soest teil.