„Wie ein treuer Freund in der Not“

Hammer Netzwerk hilft weiterhin in Bosnien

Hamm. Kriege verändern alles. Kriege bringen nichts als Leid und Elend. Zwar liegt der Balkankrieg (1991-1995) bereits einige Jahrzehnte zurück, die Unterstützung für die Menschen in der Region Bihac nahe der Grenze zu Kroatien besteht jedoch weiterhin. Ein Hammer Netzwerk, zu dem auch die Kolping-Bildungszentren Westfalen gehören, setzt aus bürgerschaftlichem Engagement heraus eine Unterstützung in Bosnien-Herzegowina fort, die in der akuten Krise 1993 mit Nahrungsmitteltransporten begann. Heute sind durch die „Bosnienhilfe Hamm“ neben elementarer Soforthilfe auch Projekte anderer Natur hinzugekommen, die auf die Befähigung zur Selbsthilfe setzen.

„Wir sehen uns als treue Freunde, die dort helfen, wo es nach wie vor nötig ist“, sagt Gottfried Schulz, Geschäftsführer der Kolping-Bildungszentren Westfalen. Schulz reist selbst seit mehreren Jahrzehnten in die ca. 60.000 Einwohner umfassende Region Bihac und schaut vor Ort, wo die akuten Bedarfe liegen. Die sind heute zum Teil anders als vor 25 Jahren. Schulz: „Unser Netzwerk ist mittlerweile breit aufgestellt und kann die verschiedensten sozialen Projekte realisieren. Nachdem unmittelbar nach Kriegsende viel Unterstützung beim Aufbau kriegszerstörter Infrastruktur geleistet werden musste, kamen mit der Zeit auch immaterielle Hilfen hinzu, wie die Vernetzung von Musikschulen, die Organisation internationaler Fußballturniere oder Erholungshilfen für kriegstraumatisierte Kinder in Hamm.“ Auch Frank Berekhoven, Mitarbeiter im Berufsförderungszentrum Hamm, ist in diesem Sinne aktiv. Er war kürzlich an einer netzwerkübergreifenden Aktion beteiligt, die drei Tonnen Kleidung für in Bosnien festsitzende Flüchtlinge überlieferte. „Die Flüchtlinge wollten in die EU, sitzen nun aber in Vucjak nahe Bihac fest und können dort nicht ausreichend versorgt werden“, schildert Berekhoven die Situation. „Wir haben alles gesammelt, was wir irgendwie auftreiben konnten, Schals, Mützen, Decken, Handschuhe, einfach alles, was warm hält“, so Berekhoven weiter. Besonders hervorzuheben ist hier auch die schnelle und unbürokratische Hilfe durch die Kolping Recycling GmbH, die Decken und Winterjacken zur Verfügung gestellt hat.

Stefan Kowoll (links) mit Gottfried Schulz