Fairness darf kein Luxus sein

Petition zur Abschaffung der Kaffeesteuer auf fair gehandelten Kaffee

Kaffee ist das beliebteste Getränk in Deutschland. Und das schon seit Jahren. Laut Zahlen des Deutschen Kaffeeverbandes wurden im Jahr 2020 in Deutschland 168 Liter Kaffee pro Kopf konsumiert. Doch während bei uns der Kaffeekonsum ungebrochen hoch ist, verschärft sich die Situation der Produzent*innen im Globalen Süden. Unter dem Slogan #MachKaffeeFair fordert FairTrade deshalb die Abschaffung der Kaffeesteuer auf fair gehandelten Kaffee.

Die FairTrade-Kriterien ermöglichen den Produzent*innen im Globalen Süden neben Transparenz und Maßnahmen des Arbeitsschutzes auch gesicherte Mindestpreisen und Planungssicherheit. Ziel des fairen Handels ist es vor allem, die Lebensbedingungen der Produzent*innen, die am Anfang der Lieferkette stehen, zu verbessern und damit ihre politische und wirtschaftliche Handlungsmacht zu stärken.

Doch der Klimawandel macht den Kaffeeanbau auf immer mehr Anbauflächen unmöglich. Das erwirtschaftete Einkommen reicht nicht, um die stets steigenden Produktionskosten zu decken. Erntehelfer*innen wandern in die Städte oder außer Landes ab.

„Wir haben uns bewusst dafür entschieden, im Zuge des Umstellungsprozesses gezielt auf den Fairen Handel zu setzen, das Siegel zu führen und die umfangreichen Kriterien einzuhalten“, sagt Thorsten Schulz, Geschäftsführer der Röstwerkstatt in Brakel, die den TATICO-Kaffee aus fairem und direktem Handel weiterverarbeitet. „Zusätzlich verpflichten wir uns zu einer Prämienzahlung, die Gemeinschaftsprojekten der Kooperative zugutekommt.“

„Mit unserem Beitrag zum fairen Handel wollen wir erreichen, dass die Produzent*innen von ihrem Einkommen in Würde leben können, sich von Schwankungen am Weltmarkt unabhängig machen und Wege finden, gegen die Auswirkungen der Klimakrise anzukämpfen“, beschreibt Mitarbeiterin Ramona Linder ihre Motivation.

Auch als Fair-Handels-Akteur fällt neben Fair-Trade-Mindestpreisen, Prämien und Lizenzgebühren zusätzlich eine Kaffeesteuer von 2,19 Euro pro Kilo Röstkaffee an – wohlgemerkt zusätzlich zur Mehrwertsteuer. Diese Steuer auf Kaffee stammt auf dem Jahre 1781 und bringt dem Fiskus jährlich knapp eine Milliarde Euro an Steuereinnahmen ein. „Hierbei wird nicht unterschieden, ob es sich um Kaffee aus fairen, transparenten Lieferketten oder um konventionelle Großimporteure handelt“, erläutert Thorsten Schulz. Der potentielle Wegfall von 2,19 € würde den entstehenden Mehraufwand an Mindestpreisen, Prämien und Lizenzgebühren decken, also jene zusätzlichen Kosten, die im Fairen Handel entstehen, so Schulz weiter.

TransFair Deutschland,  ONE Deutschland und NuruCoffee fordern in ihrer gemeinsamen Kampgane #MachKaffeeFair die Abschaffung der Kaffeesteuer auf fair gehandelten Kaffee. „Hierin liegt ein immenses Potential, den Fairen Handel und damit Produzent*innen im Globalen Süden zu stärken, den Marktanteil von fairem Kaffee zu steigern und Kaufanreize für die Konsument*innen zu setzen“, fasst Ramona Linder mögliche Effekte zusammen.

Daher unterstützen auch wir, das Kolpingwerk Paderborn und die TATICO Röstwerkstatt, die Forderung, die Kaffeesteuer auf fair gehandelten Kaffee abzuschaffen.

Text: Ramona Linder / Mario Polzer 

Foto: Kolping Honduras