„Ein herausragendes Vorbild für gelebte Inklusion“

Hotel Aspethera feiert 20-Jähriges mit einem festlichen Bankett

Die Festgesellschaft vor dem Hotel Aspethera anlässlich der Feier zum 20-jährigen Bestehen Zusammen mit zahlreichen Gästen feierte die Stiftung KOLPING-FORUM Paderborn den 20. Geburtstag des Hotel Aspethera. Foto: Bernhard Bauer Am Anfang stand Mut. Heute steht das Hotel Aspethera für eine Erfolgsgeschichte – für ein Vorbild gelebter Inklusion. Aus dem Mut, das historische Kolpinghaus abreißen zu lassen, entstand das größte Inklusionsunternehmen der Region, in dem Menschen mit und ohne Behinderung sichtbar machen, wie ein Miteinander selbstverständlich gelebt werden kann. Der 20. Geburtstag des Ausbildungs- und Inklusionshotels war Anlass für die Stiftung KOLPING-FORUM Paderborn und das Kolpingbildungswerk Paderborn mit zahlreichen Gästen aus der Politik und der Geistlichkeit, mit Weggefährten, Kooperationspartnern, Akteuren aus der Inklusion, der Kolpingsfamilie Paderborn sowie den Geschäftsführenden aus dem Kolping-Bildungswerk Paderborn im Rahmen eines festlichen Banketts im großen Saal des Geburtstagskindes erlebbar zu machen, welcher Mehrwert jeden Tag durch Inklusion entsteht.

Was Inklusion für unsere Gesellschaft bedeuten kann, skizzierte Ulrich Adlhoch in seiner Keynote zum Thema „Wert von Inklusion“. Der ehemalige Leiter des LWL-Integrationsamts und ehemaliger Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen gilt nicht nur als Experte im Bereich der Teilhabe von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. „Ihm haben wir es auch zu verdanken, dass wir heute zehn Inklusionsunternehmen haben“, erinnerte Wolfgang Gelhard, Hauptgeschäftsführer des Kolping-Bildungswerks Paderborn. Gemeinsam mit seiner Amtskollegin und Stiftungsvorsitzenden Regina Schafmeister moderierte er die Jubiläumsfeier. Ulrich Adlhoch habe seinerzeit dazu geraten, mit einer großen Zahl an Beschäftigten mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt sichtbar zu werden. „Das war die Initialzündung. Daraufhin haben wir uns aufgemacht, dieses Geschäftsfeld zu entwickeln“, so Gelhard. „Inklusionsfirmen gehören in die Mitte der Gesellschaft,“ betonte Regina Schafmeister.

Die DNA der Inklusionsbetriebe sind die demokratischen Werte

In Inklusionsbetrieben finde eine Perspektivänderung statt, stellte Ulrich Adlhoch den Mehrwert von Inklusion in seinem Vortrag vor. „In einem Inklusionsbetrieb werde Arbeit so organisiert, dass alle ihre Talente und Fähigkeiten einbringen können. Insofern wird in diesen besonderen Betrieben im Kleinen ein grundsätzlicher Wandel vollzogen. Denn hier werden nicht Arbeitskräfte in einem bestehenden System integriert, sondern die Rahmenbedingungen der Arbeit werden so gestaltet, dass sich möglichst viele einbringen können“, zitierte Ulrich Adlhoch aus dem Buch von Jochen Mack. Inklusion bringe einen Mehrwert auf drei Ebenen, wie die Studie „Mehr Wirkung inklusive“ der Bundes­arbeits­­ge­mein­schaft Inklusions­­firmen zeige: individuell, ökonomisch und gesellschaftlich-politisch. Applaus gab es für das Rechenbeispiel: „Von jedem Euro staatlicher Förderung im Rahmen des Nachteilsausgleichs fließen 1,86 Euro zurück in die Sozialversicherung und das Steuersystem.“

Darüber hinaus seien Inklusionsbetriebe gelebte Beispiele für Demokratie. „Ihr verwirklicht auf dem Arbeitsmarkt das, was wir als Grundrechte verstehen. Unsere Demokratie steht unter anderem für Menschenwürde, für Antidiskriminierung und für gleichberechtigte Teilhabe. Genau das sind die Werte, die ein Inklusionsbetrieb tagtäglich lebt. Das ist die DNA der Inklusionsbetriebe.“ Inklusion sei mit ihren Werten ferner auch höchst christlich. „Deswegen ist sie bei Kolping in Paderborn bestens aufgehoben.“

Ein Ort, an dem Gesellschaft gestaltet wird

Glückwünsche von Arbeitsminister Karl-Josef Laumann richtete Claudia Middendorf aus. Die Beauftrage der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten betonte in ihrem Grußwort: „Sie zeigen jeden Tag aufs Neue, dass Vielfalt eine Stärke ist.“ Inklusionsunternehmen seien weit mehr als sozialpolitische Projekte. Sie zeigen, „dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Sie stärken einander. Sie beweisen, dass Qualität, Professionalität und Inklusion hervorragend zusammenpassen.“ Im Hotel Aspethera setze man seit 20 Jahren Maßstäbe für eine inklusive Arbeitswelt – „ein herausragendes Vorbild gelebter Inklusion“.

Ein Ort des Miteinanders sei das Hotel Aspethera auch für die Paderborner und Touristen, brachte Landrat Christoph Rüther noch eine weitere Facette der Bedeutung des Hotels ins Spiel. Noch heute erkenne man im Hotel Aspethera die Idee, die damals das Kolpinghaus geprägt habe. Damals wie heute werde hier nicht nur Gesellschaft beherbergt, sondern Gesellschaft gestaltet. „Menschen brauchen Orte, an denen sie zusammenkommen.“ Das eigentlich Besondere am Aspethera seien jedoch die Menschen, die hier arbeiten. „Damals ging es um Teilhabe. Heute geht es um Teilhabe. Nur die Form hat sich verändert. Deshalb sind 20 Jahre Aspethera für mich weit mehr als ein klassisches Hoteljubiläum“, sagte der Landrat. Wir vom Kreis sind stolz, euch zu haben.“

Die Gastgeber zusammen mit den Festrednern der Jubiläumsfeier anlässlich 20 Jahre Aspethera Gastgeber Regina Schafmeister (Dritte von rechts) und Wolfgang Gelhard (rechts) begrüßten zusammen mit Gottfried Schulz (Stiftungsvorstand, Vierter von links) den Keynote-Speaker Ulrich Adlhoch, die NRW-Landesbeauftragte Claudia Middendorf, den ersten stellvertretenden Bürgermeister Robert Siemensmeyer, Weihbischof Josef Holtkotte sowie Landrat Christoph Rüther. Foto: Bernhard Bauer

Glückwünsche gab es auch aus dem Rathaus, die der erste stellvertretende Bürgermeister der Stadt Paderborn Robert Siemensmeyer überbrachte, sowie von Bundespräses Sebastian Schulz.

Vorausgegangen war dem festlichen Bankett, das musikalisch von Saxophonist und Klarinettist Wolf Codera begleitet wurde, ein Gottesdienst in der Busdorfkirche. Für seine Predigt unter dem Leitsatz „Engagiert mit Haltung“ erhielt Weihbischof Josef Holtkotte viel Lob in den Festansprachen: eine ansprechende und ermutigende Predigt, mit der sich viele Gäste identifizieren konnten und daraus viele wertvolle Impulse mit nach Hause nahmen.