Das Erbe der Familie fortführen

Marcelo Martínez-Rodriguez startet Freiwilligendienst in Röstwerkstatt

Der neue internationale Freiwillige Marcelo Martínez-Rodriguez Marcelo Martínez-Rodriguez freut sich darauf, während seines Freiwilligendienstes in der Röstwerkstatt in Brakel neue Erfahrungen zu sammeln. Foto: Jana Sudhoff Ein Perspektivwechsel über mehr als 9.000 Kilometer: Marcelo Martínez-Rodriguez hat seinen Platz im Hörsaal in seiner Heimat in Honduras gegen einen Platz an der Röstmaschine in Brakel getauscht. Der Student der Technischen Informatik wird elf Monate als Weltwärts-Süd-Nord-Freiwilliger in der Kolping Röstwerkstatt neue Erfahrungen sammeln. In dieser Zeit möchte er nicht nur „viel lernen, kennenlernen und reifen“. Ein Herzensanliegen ist dem Sohn einer Kaffeeproduzentenfamilie auch, das Erbe seiner Großeltern fortzuführen.  

„Ich weiß, was Kaffeeernte bedeutet. Ich möchte zeigen, wo der Kaffee herkommt und dazu beitragen, dass gutem Kaffee der Wert beigemessen wird, den er verdient“, sagt der 22-Jährige, dessen Familie der Kaffeekooperative Aprocaf (Region La Florida, Opatoro) angehört. Auf ihrer Kaffeefinca liegt alles in der Hand der Familie: vom Setzen der Pflanzen über die Ernte und Röstung bis zum Verkauf des Kaffees in der Hauptstadt Tegucigalpa – alles ohne Einsatz von Chemie. Jetzt wird der junge Honduraner die Kaffeevermarktung aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen. Mit dem Start in seinen neuen Arbeitsalltag beginnt für ihn eine aufregende Zeit: „Ich bin etwas nervös, aber glücklich“, sagte er an seinem ersten Arbeitstag in Brakel.

Das Team der Rösterei empfing ihren inzwischen sechsten internationalen Freiwilligen mit offenen Armen. Die Vorfreude, in den nächsten Monaten mit ihm gemeinsam zu rösten, war den Mitarbeitenden deutlich anzumerken. „Wir sind glücklich, dass du da bist,“ begrüßte ihn Ramona Linder. Die Geschäftsführerin der Röstwerkstatt sieht in dem Austauschprogramm eine besondere soziale Verantwortung. „Viele junge Menschen aus Deutschland haben die Möglichkeit eines Weltwärts-Dienstes im Globalen Süden, nur wenige aus dem Globalen Süden haben indes die gleiche Chance.“ Daher freut sie sich, mit Marcelo einem weiteren Süd-Nord-Freiwilligen zu ermöglichen, ein Jahr in Deutschland zu leben, die Röstkunst zu lernen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Erfahrungen in die Kooperative tragen 

Sein Hauptarbeitsplatz wird in der Produktion sein. Darüber hinaus werden kleine Projekte, Rechercheaufgaben, Begleitung bei Kundenbesuchen, Unterstützung bei Rösterei-Besichtigungen und Social-Media-Posts für Abwechslung sorgen. Allem voran soll Marcelo Einblicke in die Vermarktung von Fair-Trade-Kaffee in Deutschland bekommen. Wie funktioniert eine Marke wie Tatico auf dem deutschen Markt? Was sind die Herausforderungen? Was sind aber auch Chancen? „Ich finde es wertvoll, wenn dieses Wissen wieder zurück in die Kooperative kommt.“ Auch zu den Kolpingverbänden in Mittelamerika sind Rückkehrer*innen ein wichtiges Bindeglied, um die bestehenden Verbindungen mit Leben zu füllen.

Im Gegenzug ist die interkulturelle Erfahrung eine Bereicherung für das Team der Röstwerkstatt. Gerne möchte Marcelo den Menschen seine Kultur näherbringen und zeigen, dass Honduras viel zu bieten hat fernab von Negativschlagzeilen rund um Drogen, Gewalt und die Machenschaften von Ex-Präsident Juan Orlando Hernández. In Deutschland hat ihn andersherum überrascht, wie die Natur respektiert wird. „Es gibt viele Bäume, vor allem auch in den Städten, das Wasser ist sehr sauber und man sieht nicht viel Müll auf den Straßen“, beschreibt Marcelo seine ersten Eindrücke. Auch kulinarisch ist er in Deutschland bereits auf den Geschmack gekommen. Der Lateinamerikaner hat seine neuen Lieblingsgerichte gefunden: „Döner und Mantaplatte.“ Die Gelegenheit, die deutsche Kultur und Kulinarik weiter zu erkunden, bietet sich direkt eine Woche später: bei der Warburger Oktoberwoche. Dazu gab es direkt am ersten Arbeitstag von einer Kollegin aus dem Rösterei-Team eine persönliche Einladung für Marcelo. Einsam wird der internationale Gast nicht, dafür wird auch die Kolpingjugend mit ihren Freizeitangeboten sorgen. Der Dreiklang – Gastfamilien aus dem Kolping-Verband, Einsatzstellen in den Kolpingeinrichtungen und Kolpingjugend – bietet den Süd-Nord-Freiwilligen ideale Startbedingungen für authentische Erfahrungen und ist einzigartig für das Programm, das eingebettet ist in die 30-jährige internationale Partnerschaftsarbeit des Kolpingwerkes Paderborn in Mittelamerika.