Erfolgsbotschaften aus Honduras
Kolping Röstwerkstatt erweitert Produzenten-Netzwerk und stärkt Wirkung am Beginn der Lieferkette
Foto: Marisol Vinuales
Mit Erfolgsnachrichten im Gepäck kehrte Ramona Linder, Geschäftsführerin der Kolping Röstwerkstatt Brakel, aus Honduras zurück. Jährlich fliegt sie zum Ende der Ernte und Beginn des Exports in die Heimat der Kaffeeproduzent*innen des Tatico Kaffees für einen persönlichen Austausch. „Alle Verträge sind fixiert“, freute sich Ramona Linder über die guten Ergebnisse. Und erntete dabei „besondere Früchte“: Die Röstwerkstatt hat sich im Einkauf breiter aufgestellt. Die Kaffeebohnen für das zertifizierte Kernsortiment kommen künftig aus drei Kooperativen statt wie bisher aus einer. Zwei weitere Kooperativen, die die Röstwerkstatt in den vergangenen Jahren intensiv begleitet hat, haben ihre Fairtrade-Zertifizierung erreicht und können daher den Kreis der Fairtrade-Produzent*innen ergänzen. „Durch die Zertifizierungen wächst nicht nur unser Produzenten-Netzwerk, sondern auch unser Impact in Bezug auf Transparenz, Qualität und nachhaltige Entwicklung“, erklärt die Expertin.
„Tatico Kaffee stammt zu 100 Prozent aus Direkthandelsbeziehungen“, erklärt Ramona Linder. „Das ist in der Größenordnung ein Alleinstellungsmerkmal auf dem deutschen Markt. On top haben wir ausschließlich Spezialitätenkaffee im Sortiment.“ Ziel ist es, alternative Handelswege mit impact am Beginn der Lieferkette durch direkte Partnerschaften aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
Dass der Nachschub an fair gehandelten Kaffeebohnen trotz der rekordhaften Schwankungen des Weltmarktpreises für Kaffee bei dieser Ernte gesichert ist, ist keine Selbstverständlichkeit. „Diese Situation zeigt abermals, wie wichtig stabile, langfristige und verantwortungsvolle Partnerschaften im Kaffeehandel sind“, so Ramona Linder. Der ganzjährige Dialog und die permanente Vertrauensarbeit zahlen sich aus. „Auch wenn der Wille, sich durch ein Direkthandelsmodell unabhängig von Mechanismen des Weltmarktes zu machen, auf beiden Seiten besteht, ist das Gelingen kein Selbstläufer“, berichtet Ramona Linder. Ob kolonialgeschichtlich, politisch, gesellschaftlich oder sozioökonomisch bedingt – die bisherigen Erfahrungen der Kaffeeproduzent*innen im internationalen Handel würden intensive Beziehungsarbeit unabdingbar machen.
Bewerbung für die Fairtrade Awards 2026
Unterstützt hat man die Kaffeeproduzent*innen daher auch bei den Anforderungen der Entwaldungsverordnung zum Import von Rohkaffee nach Europa (EUDR). Das Ziel der EU-Gesetzgebung ist, dass nur noch Kaffee in die EU gelangt, der nachweislich nicht auf entwaldeten Flächen angebaut wurde. Diesen Beweis müssen die Produzent*innen mittels Geo-Daten ihrer Fincas antreten. Im Rahmen eines Projekts mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat die Kolping Röstwerkstatt die Datenerhebung unterstützt, bspw. durch die Finanzierung von GPS-Geräten, Software, Laptops und die Unterstützung durch Expert*innen. Sorgen muss sich jedoch niemand: „Die Produzent*innen, mit denen wir zusammenarbeiten, leben alle aus höchster Überzeugung im Einklang mit der Natur und forsten permanent auf anstatt abzuholzen“, betont Ramona Linder.
Ein weiteres großes Thema ihrer Reise nach Honduras war die gesetzlich vorgeschriebene Risikoanalyse für Händler, die sie vor Ort rund um die Themen Landrechte, Kinder- und Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Umweltschutzmaßnahmen vornahm. Hinzu kamen wie üblich intensive Netzwerkpflege und die einzelnen Gespräche mit allen Kleinproduzent*innen. „Wir haben den Anspruch, viel Arbeit im Ursprung, Bewusstseins-, Bildungs- und Nachhaltigkeitsarbeit zu leisten“, unterstreicht die Röstwerkstatt-Geschäftsführerin.
Hoffnungen kann sie sich mit ihrem Team machen, für diese Arbeit ausgezeichnet zu werden. Die Brakeler Röstwerkstatt hat sich für die Fairtrade Awards 2026 in der Kategorie „Unternehmen“ beworben und ist eine Runde weitergekommen.