Jobcenter und Pflegefachschule gehen mit Modellprojekt neue Wege
Assessment testet Eignung für Dienst am Menschen
Sie standen bei ihrem gemeinsamen Modellprojekt Seite an Seite (von links): Kathrin Harnisch (Jobcenter des Kreises Gütersloh), Heike Bentlage (Schulleiterin der Kolping-Pflegefachschule Gütersloh), Eva Klare-Kurtenbach (Geschäftsführerin der Kolping Akademie für Gesundheits- und Sozialwesen), Kathrin Falke (Dezernatsleiterin des Jobcenters Kreis Gütersloh) und Jürgen Blomeier (Jobcenter-Sachgebietsleiter Arbeit Nord). Foto: Jana Sudhoff
Was ist Pflege überhaupt? Wie kann ich mir das vorstellen? Welche Berufsfelder und Einsatzmöglichkeiten gibt es? Und allem voran: Bin ich für die Pflege geschaffen? Wie könnte man dies besser herausfinden als in einem konkreten Praxsetting? Fallbeispiele, Rollenspiele und Interviews hatte die Kolping-Pflegefachschule Gütersloh für die an der Pflege interessierten Kund*innen des Jobcenters des Kreises Gütersloh vorbereitet. Mit diesem Modellprojekt eines Pflegeassessments schlugen Jobcenter und Pflegefachschule gemeinsam einen neuen Weg ein, um neue potenzielle Bewerber*innen für den Dienst am Menschen zu entdecken.
„Mit dem dreiteiligen Assessment wurde für unsere Kund*innen ein Format entwickelt, mit dem wir in konkreten Testsituationen individuell schauen können, ob eine Eignung vorliegt“, erklärte Kathrin Falke, Dezernatsleiterin des Jobcenters Kreis Gütersloh, die Maßnahme. „Dafür haben wir uns die Fachlichkeit eines Pflegeschulträgers zunutze gemacht.“
Neues Format löst Messe ab
Die Lehrkräfte der Kolping-Pflegefachschule hatten in einem Zeitraum von acht Wochen die interessierten Kund*innen des Jobcenters im Alter von U25 bis Mitte 50 mit fachmännischem Blick unter die Lupe genommen – vor allem unter dem Blickwinkel der gesundheitlichen Eignung, der Belastbarkeit, ihrer Sprachkenntnisse, Vorerfahrungen und Motivation. Für jede*n Teilnehmer*in des Pflegeassessments haben die Kolping-Pflegeexperten eine persönliche Empfehlung ausgesprochen – nicht nur für eine berufliche Perspektive als Pflegefachassistenz oder Pflegefachkraft, sondern auch für pflegenahe Tätigkeiten wie beispielsweise als Betreuungs- oder der Hauswirtschaftskraft. „Jetzt haben wir für jede*n Assessment-Teilnehmende*n einen Fahrplan“, freut sich Kathrin Falke. „Für jede*n Einzelne*n*, die*der eine Perspektive bekommt, hat sich die Maßnahme gelohnt“, betont Kathrin Harnisch (Jobcenter). Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege sind Entdeckungen neuer potenzieller Bewerber*innen umso wichtiger.
Um die Pflege zu stärken, hatte man nach einer Möglichkeit gesucht, die Kund*innen eingehender als bisher an das Berufsfeld „Dienst am Menschen“ heranzuführen. Das neue Format löste in diesem Jahr daher die Messe ab, zu der das Jobcenter in der Vergangenheit seinen Kundenstamm eingeladen hatte. „In einem Messesetting können wir nur Informationen anbieten – mit einem hohen Abstraktionsgrad und losgelöst von individuellen Bedürfnissen und Voraussetzungen“, erklärt Kathrin Falke den Unterschied. „Das wird beim Assessment umgekehrt.“ – Die Teilnehmenden gewinnen dabei ein realistisches Bild vom Berufsfeld und von ihrer eigenen Eignung.
Ein wichtiger Ansatz war das Verfahren auch für die Pflegefachschule selbst. „Für uns ist jetzt die spannende Frage, wie wir mit den Ergebnissen umgehen“, sagt Eva-Klare-Kurtenbach, Geschäftsführerin der Kolping Akademie für Gesundheits- und Sozialwesen gem. GmbH. „Aus den Erkenntnissen können wir ableiten, welche Unterstützung wir an unseren Schulen noch implementieren sollten, um Abbrecher- und Durchfallerquoten in den Pflegeausbildungen weiter zu reduzieren.“