Kita setzt der Sprachförderung ein i-Tüpfelchen auf

„Apropos Sprache“ wird für „Schulkinder“ etabliert

Kinder, Erzieherinnen und Projektleiterin bei der Sprachförderung "Apropos Sprache" in der Kita "Auf dem Stempel" Im Projekt „Apropos Sprache“ wurde Sprache auf lebendige Weise für die angehenden Schulkinder in der Kita „Auf dem Stempel“ in Gütersloh greifbar. Foto: Jana Sudhoff Aus einer Zitrone lässt sich viel herausholen: freies und kreatives Sprechen, das Entdecken von Wortarten, ein Gefühl für Sprache und ihren Bauplan, die Erweiterung des Wortschatzes und vieles mehr. Mit einer kleinen Zitrone aus Stoff in der Hand kommt den Kindern in der Kindertageseinrichtung „Auf dem Stempel“ in Gütersloh schnell die Assoziation: „Die Zitrone schmeckt sauer“. Und die Sprachförderung nimmt ihren Lauf. Die Kinder lernen, dass sie vier Holzklötze legen müssen, um alle Wörter des Satzes zu erfassen. Und dass die Zitrone in den roten Reifen gehört, der symbolisch für den Artikel „die“ steht. Die Stoffzitrone gehört zu den 147 Stoffmotiven aus dem Materialfundus des Programms „Apropos Sprache“. Regenbogen, Pfau, Biene, Gitarre & Co. kamen in der Kita im Rahmen eines Pilotprojekts für die spielerische und ganzheitliche Sprachförderung der angehenden Schulkinder zum Einsatz.

Zur Förderung wichtiger Vorläuferfähigkeiten für das Lesen und Schreiben hatte sich die Kita mit dem RS Workshopteam einen Kooperationspartner ins Boot geholt. Über fünf Wochen bekam die Kita einmal pro Woche Unterstützung von einer Referentin. Sie schuf in ihren Workshops mit abwechslungsreichen Spiel- und Bewegungsideen viele Anlässe, damit die Kinder Sprachförderung auf lebendige und vielseitige Art erlebten. „Man kann vieles sichtbar machen, ohne schreiben und lesen zu können“, erklärt Nina Marhofen, Referentin in der kindlichen Bildung (Workshopteam). Holzklötzchen helfen beispielsweise, einzelne Wörter zu erkennen und Klatschspiele, die Silben voneinander zu trennen. „Und wenn ich die Kinder Bilder zu Oberbegriffen sortieren lasse, kann ich ihnen Schemata sichtbar machen“, führt die Referentin weiter aus. Gehört die Sonne in die Kategorie „fliegen“? Fliegt sie oder schwebt sie? Sind Schweben und Fliegen dasselbe? Und flugs ist sie mit den Kindern über das Fachsimpeln über die Sonne bei der Schärfung des Sprachbewusstseins gelandet.

Fünf MINT-Workshops on top

Nicht nur die Kinder profitieren von dem Besuch der Expertin, sondern auch die Erzieher*innen. Denn in Zukunft soll das Konzept „Apropos Sprache“ fest in der Kita etabliert werden. In den RS-Workshops konnten die Kita-Fachkräfte viele Ideen sammeln, wie sie demnächst selbst das neue Kita-Material einsetzen können. Sprachförderung hat im Alltag der Kita „Auf dem Stempel“ einen hohen Stellenwert. Gerade in einer Einrichtung mit Kindern aus 17 Nationen kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. „Apropos Sprache ist das i-Tüpfelchen“, sagt Kitaleiterin Johanna Galert. „Mit dem Material und den Ideen können wir Sprachförderung noch intensiver und gezielter gestalten“, freut sich die Kitaleiterin über das zusätzliche Angebot. Für das 4.800 Euro teure Projekt hat die Kita Gelder von zwei Stiftungen erhalten, unter anderem von der Osthushenrich-Stiftung.

Neben „Apropos Sprache“ flossen die Finanzmittel in eine zweite, fünfwöchige MINT-Workshopreihe mit dem RS Workshopteam. Nutznießer*innen waren die aktuellen und künftigen „Schlauen Waschbären 2026“. Sie wurden wahlweise spielerisch ans erste Programmieren, an Geometrie, Elektro, Mengenerfassung und ans Konstruieren herangeführt. Auch Sprachförderung floss mit ein.