Kolping-Kita „Springbach Höfe“ mit besonderem Projekt zu Ostern
„Es geht darum, dass die Kinder die Geschichte erlebend verstehen“
Magdalena Schlüter (links) und Anja Giefer, die beide im Projekt involviert waren. Foto: Sascha Dederichs
Sie gehört zu den bedeutendsten Überlieferungen der menschlichen Kulturgeschichte: die Ostererzählung. Vom Einzug Jesu in Jerusalem und der Feier des letzten Abendmahles über Verrat, Kreuzigung, Tod und Begräbnis bis hin zur Auferstehung erzählt sie facettenreich vom Wunder der Erlösung durch den Sieg des Lebens über den Tod. Die Ostererzählung ist seit jeher Gegenstand überwältigender Kunstwerke, sie wird in Kitas und Schulen überliefert, nacherzählt und gedeutet. Ihre Metaphorik wird in vielfältige gesellschaftliche Kontexte projiziert. Im Leben vieler gläubiger Christen spielt sie im jährlichen Feiertagskalender die exponierteste Rolle.
Es ist damit nur folgerichtig, dass sich die Kolping-Kita „Springbach-Höfe“ der Ostergeschichte mit einem besonders aufwändigen Projekt widmet. Im größten Raum der Einrichtung, der eigentlichen Turnhalle, wurde Ende Februar eine Art Parcours aufgebaut, entlang dessen die Kinder die einzelnen Stationen der biblischen Erzählung nachempfinden können. „Es geht darum, dass die Kinder die Geschichte erlebend verstehen“, sagt Ann-Kristin Striewe, die das Projekt in der Kita federführend mit implementiert hat. Ein Beispiel für das, was sie meint: Im Vorfeld der eigentlichen Ostererzählung spielt die Salbung eine wichtige Rolle. In Betanien (vgl. Mk 14,3-9) gießt eine Frau Jesus im Haus Simons des Aussätzigen kostbares Nardenöl über das Haar. Eine bei den Gästen umstrittene Handlung, schließlich ist das Öl teuer und man hätte es verkaufen und den Erlös den Armen spenden können. Jesus sieht das Vorgehen der Frau im Kontext dessen, was ihn erwartet, allerdings als „gutes Werk“ an. „Sie hat im voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt“, sagt er. „Den Vorgang der Salbung theoretisch zu erklären, ist für die Kinder abstrakt. Aber wenn sie das Öl selbst auf der Hand spüren, bekommen sie eine genaue Idee von diesem Vorgang, dem sie ein Gefühl zuordnen können“, so Striewe.
Foto: Sascha Dederichs
Ähnlich ist es mit den anderen Stationen wie dem Einzug in Jerusalem oder dem letzten Abendmahl. Dort bekommen die Kinder an einem großen Tisch Traubensaft (symbolisch für Wein) und Brot gereicht. Anja Giefer, die an diesem Tag (23.03.2026) die Führung übernimmt, erläutert die einzelnen Stationen kindgerecht, mit ruhiger, eindringlicher Stimme, aber auch mit großer religionspädagogischer Präzision. Zudem bindet sie Kinder wie Eltern immer wieder aktiv ins Geschehen ein, z.B. mit der Frage, wovor sie Angst haben im Leben. Die Ostererzählung rührt schließlich an existentiellen Fragen, die jeden Menschen berühren: Einsamkeit, Trauer, Leiden, Schmerz, Tod. Um dies buchstäblich ertastbar zu machen, berührt jedes Kind einmal vorsichtig mit dem Finger die im Parcours ausgelegte Dornenkrone. Aber es geht nicht darum, die Kinder zu ängstigen, sondern um die Vermittlung der Botschaft, dass wir trotz allen Widrigkeiten im Leben hoffen dürfen. Dies wird an der letzten Station deutlich, wo Auferstehung und Paradies thematisiert werden. „Jesus hat den Tod besiegt.“ Das ist die zentrale Aussage. Wir dürfen hoffen, wir dürfen leben.
Fast 45 Minuten dauert der Rundgang insgesamt. Dass die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder dabei keinesfalls überfordert wurde, spricht für das Konzept – und alle am Projekt Beteiligten. Gut vorbereitet waren die Kinder auf den Rundgang im Vorfeld übrigens auch. Auf die Eingangsfrage von Anja Giefer, wer wisse, warum wir heute hier seien, schießen sofort zwei Finger in die Höhe. „Ostergarten“, ist eine Antwort. „Öl“ die andere.