Neuanfang auf vielen Ebenen

Fünfköpfiges OGS-Team startet an Brüder-Grimm-Schule in Brakel

Das fünfköpfige OGS-Team von der Brüder-Grimm-Schule in Brakel Sie betreten gemeinsam Neuland (von links): Manuela Rottländer, Michaela Sievers, Annika Weise-Emden, Marina Cors und Lea Sonntag. Foto: Stefanie Siewert Das Kolping Schulwerk hat die Offene Ganztagsschule (OGS) an der Brüder-Grimm-Schule, Förderschule Sprache, in Brakel übernommen. Der erste Schultag nach den Sommerferien wird daher nicht nur für die Erstklässler*innen aufregend. Auch das fünfköpfige OGS-Team, das zu Schuljahresbeginn seine Arbeit aufnimmt, blickt dem Tag mit Spannung, Vorfreude und einem Funken Lampenfieber entgegen. Die fünf Frauen können es kaum erwarten, ihre 26 Schützlinge kennenzulernen. Nicht nur die Gesichter sind neu, für die OGS-Kräfte ist vieles Premiere: Sie starten als neu formiertes Team, sie bauen gemeinsam einen OGS-Alltag auf, sie betreten zum großen Teil berufliches Neuland und sie erwartet ein neues OGS-Raumkonzept.

Die Förderschule baut Teile ihres Schulgebäudes um. Im Zuge dessen werden die Räume künftig multifunktional genutzt: morgens Klassenraum, nachmittags OGS. Die Kinder, die aus dem kompletten Kreis Höxter stammen, werden von dem Kolping-Team in zwei Gruppen betreut. Mittags profitiert die OGS von der Nähe zum Kolping-Berufsbildungswerk Brakel. Hier kocht das Mensa-Team künftig für die OGS-Kinder mit. Vielversprechend sind auch die Synergien, die im frisch zusammengesetzten OGS-Team entstehen können. Frischen Wind bringen die fünf neuen Kolleginnen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern mit.

„Wir profitieren davon, dass wir so unterschiedlich sind“

Marina Cors möchte nach 20 Jahren noch einmal beruflich neue Erfahrungen machen. Freuen können sich die OGS-Kinder schon, mit der gelernten Hauswirtschafterin in der Weihnachtszeit zu backen. Auch ihre kreative Ader möchte die Kleingewerbetreibende einfließen lassen. „In meiner kleinen Werkstatt zuhause plotte und bastle ich selbst gerne“, sagt die zweifache Mutter, die zudem den Wert von Gesellschaftsspielen zu schätzen weiß und mit ihrer Familie vor allem oft „Mensch ärgere dich nicht“ spielt. Sie freut sich auf die neue Herausforderung: „Ich finde es toll, dass sich ein komplett neues Team bildet, in dem wir alle neu starten. Das ist ein Vorteil.“

Ein neues berufliches Kapitel schlägt auch Michaela Sievers auf, die ihr Berufsleben als Einzelhandelskauffrau startete. Während ihrer jüngsten Tätigkeit als Menüfahrerin für Kitas verfestigte sich ihr Wunsch, mit Kindern zu arbeiten. „Ich möchte den Kindern ohne Stress und Druck etwas beibringen“, sagt die Quereinsteigerin. Ruhe und Gelassenheit sind für sie die Rezeptoren für eine bestmögliche Unterstützung der Kinder. Die schönsten und glücklichsten Tage hat Michaela Sivers in ihrer Kindheit draußen verbracht – bei Gummitwist, Räuber und Gendarm sowie ausgedachten Spielen. Die Freude am freien Spielen möchten sie und ihre Kolleginnen auch in der OGS aufleben lassen.

Die Idee für eine berufliche Neuorientierung kam Annika Weise-Emden in der Familienzeit. Bisher durchzog die Gesundheitsförderung ihren Lebenslauf wie ein roter Faden. Angefangen als Krankenkassenangestellte sattelte sie mit einem Studium in der Gesundheitskommunikation auf und schloss eine Weiterbildung in der Gesundheitsförderung für Kinder sowie als Gesundheitscoach und body’n brain-Trainerin an. Bewegung, Ernährung und Entspannung spielen für Annika Weise-Emden eine große Rolle in der Gesundheitsförderung – auch in der OGS. „Ich finde es schön, mit Kindern zu arbeiten. Ich möchte sie spielerisch fördern, damit sie sich besser konzentrieren können“, sagt die dreifache Mutter, die ein großer Fußballfan ist und auch mit den OGS-Kindern kicken möchte.

Lea Sonntag hat den Friseursalon schon zuvor gegen die Arbeit mit Kindern eingetauscht. Sie hat als Schulbegleitung an der von-Galen-Schule in Frohnhausen gearbeitet und dort erste Erfahrungen mit Kindern mit Förderschwerpunkt gesammelt. Besonders freut sie sich jetzt auf die Ferienbetreuung in der OGS. „Wenn die Hausaufgabenbetreuung wegfällt, bleibt mehr Zeit für gemeinsame Aktivitäten und zusätzliche Angebote mit den Kindern.“ Sie kann sich beispielsweise vorstellen, ihre Erfahrungen aus einer Gebärden-Sing-AG in die Gestaltung des OGS-Programms einzubringen.

Eine Atmosphäre zum Wohlfühlen

Für Manuela Rottländer ist die Brüder-Grimm-Schule vertrautes Terrain. Die gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte hat dort nach ihrer Umschulung ein Jahr als Schulbegleiterin gearbeitet. Während ihrer anschließenden Ausbildung als Erzieherin hat sie bei einem Praktikum Erfahrungen im OGS-Bereich gesammelt. „Ich möchte mehr Zeit für einzelne Kinder haben, um sie individuell zu unterstützen“, erklärt Manuela Rottländer, was die OGS für sie zu einem besonders interessanten Arbeitsfeld macht. An der neuen Kolping-OGS übernimmt sie die Standortleitung. Sie wechselt vom Westfälischen Kinderdorf in Barntrup, wo sie nach ihrem Anerkennungsjahr ein Jahr lang eine neue Wohngruppe betreut hat. „Mir ist es wichtig, dass die Kinder erkennen, dass sie Stärken und Talente haben, auf die sie stolz sein können. Auch wenn schulisch nicht immer alles gelingt“, sagt die Braklerin, die selbst gerne näht. „Wenn es die Zeit erlaubt, möchte ich eine AG Nähen anbieten.“

Wenn sich die Gelegenheit bietet, möchte die OGS-Leiterin gerne auch mal etwas privat mit ihren Kolleginnen unternehmen. „Der Zusammenhalt im Team ist wichtig.“ Schon nach den ersten Treffen stehen die Zeichen dafür gut. Ein Ideal, dass alle fünf Frauen eint: Eine gelungene Betreuung ist, wenn die Kinder glücklich und zufrieden nach Hause gehen, mit Freude wiederkommen und sich gut unterstützt fühlen. Eine freundliche, entspannte und vertrauensvolle Stimmung, tolle Angebote, viel gemeinsames Spielen – vor allem auch draußen – machen für das Team die Wohlfühlatmosphäre aus.