Neues wagen beim KBU-Innovationskongress in Paderborn
Workshop-Teams pitchten Visionen für den Markt 2036
Im Hotel Aspethera in Paderborn wurden zwei Tage lang von Führungskräften und Entscheidungsträgern der Kolping-Bildungsunternehmen Visionen geschmiedet. Der Verband der Kolping-Bildungsunternehmen Deutschland e.V. (KBU) hatte zum Innovationskongress 2026 eingeladen. Teilnehmende aus ganz Deutschland waren bei einem Planspiel aufgefordert, über die Grenzen des Gewohnten hinauszublicken. Herausgekommen sind in den Workshops sieben Geschäftsideen, die traditionelle Strukturen hinterfragen und innovative Wege für die Organisation von Bildung 2036 ebnen möchten.
„Wir wollen gemeinsam Visionen entwickeln, wie sich unsere Arbeit in den nächsten Jahrzehnten weiterentwickeln muss und wie Veränderungen möglich sind", hatte Wolfgang Gelhard den Startschuss zum Kongress gegeben. Er begrüßte die Gäste in doppelter Funktion: als KBU-Vorsitzender und als Hauptgeschäftsführer des Kolping-Bildungswerks Paderborn und damit als Hausherr der Veranstaltung. Die Zukunft ist nicht das, „was kommt", sondern das, was wir heute gestalten – so lautete die zentrale Botschaft des Kongresses.
Unternehmensgründung von Grund auf
Die Herausforderung für die Workshop-Teams, die Kolping-bereichsübergreifend zusammengesetzt waren: die Gründung eines Kolping-Bildungsunternehmens, das auf einem fiktiven Markt 2036 mit seinen Megatrends wie beispielsweise verschärfter Fachkräftemangel, leere Kassen für staatliche Ausschreibungen und Konkurrenzschock durch digitale Lernplattformen und Lernmanagementsysteme besteht. Der besondere Charme des Auftrags: Gewünscht war es, etablierte Routinen zu verlassen und zukunftsfähige Bildungsunternehmen von Grund auf zu entwickeln – ungebunden von bestehenden Unternehmenstypen, Namen, Einnahmequellen, Zielgruppen, Partnern und Produkten. Geschäftsmodelle für die Nöte der Zeit zu finden, lautete die Devise. „Welche Megatrends sehen Sie in den nächsten Jahren auf den Bereich Bildung zukommen? Was wird benötigt? Was ist überflüssig?“, moderierte Sören Reimers, KBU-Geschäftsführer.
„Konnex. eG“ gewinnt das Voting
In den Fünf-Minuten-Pitches der Teams lernte das Plenum multifunktionale Begegnungsstätten wie „Kolping Hand in Hand“, den digitalen Lern- und Begegnungsraum „K Co Lab“, die „Stiftung Kolping Deutschland“, die Vernetzungs-Genossenschaft „Konnex. eG“, den bundesweiten, digitalen Bildungsschirm „Die Glücklichmacher", die Rund-um-sorglos Vermittlungsagentur für Ausbildung „Kolping match the work – united works by Kolping“ und die Stiftung „Halt Haus gGmbH“ mit ihrem generationsübergreifenden Leben und Lernen kennen. Die meisten Stimmen im Voting erhielt die „Konnex. eG“ – das Team hatte beim Pitch nicht zuletzt durch schauspielerisches Talent begeistert.
Raum für Innovation durch absichtsvolle Exnovation
Das Ziel war nicht nur das Hinzufügen von Neuem, sondern auch das Loslassen. Der rote Faden der Veranstaltung: Was schaffen wir bewusst ab, um Raum für Neues entstehen zu lassen? Impulse dafür gab es zum Kongressauftakt von Prof. Dr. min. Sandra Bils. Die evangelische Theologin, Organisationsentwicklerin und Dozentin brach in ihrer Keynote „Organisation der Zukunft: Mut zum Loslassen und Neues wagen“ die Lanze dafür, sich bewusst von ehemaligen Innovationen – zuweilen sogar von Premiumprodukten – zu trennen, die keine Wirkung mehr entfalten, aber Ressourcen binden. Damit Innovationen eine Chance haben, sollte das Konzept der Exnovation integraler Bestandteil jedes Innovationsprozesses sein und von Beginn an mitgedacht werden.
Wie KBU-Vorsitzender Wolfgang Gelhard nach dem Austausch betonte: „Wir haben gesehen, dass die Resilienz unserer Bildungsunternehmen groß ist. Der Mut zum Loslassen wurde nicht als Verlust wahrgenommen, sondern als Voraussetzung für Wachstum."
Was an den zwei Tagen in Paderborn begann, werde nun in die Praxis übersetzt: „Die entwickelten Projektideen werden in den jeweiligen Bildungsunternehmen adaptiert“, stellte der KBU in seiner Pressemitteilung in Aussicht. „Die Teilnehmer verließen Paderborn mit konkreten Projektideen, einem vernetzten Ökosystem aus Kooperationspartnern und neuen Ansätzen für ihre Kolping-Bildungsunternehmen.“