Schüler entdecken und erleben Demokratie

Berufskolleg Paderborn hat seinen ersten „Democracy Guide“

Der neue Democracy Guide steht mit einem Fragebogen in der Hand in der Mensa des Kolping-Berufskollegs Paderborn Wie können die Aufenthaltsräume verbessert werden? Diese Frage stellte sich Alexander Frolow in seiner Ausbildung als „Democracy Guide“. Mit einem Fragebogen soll die Schulgemeinschaft mit ins Boot geholt werden. Foto: Jana Sudhoff Das Kolping-Berufskolleg Paderborn (BK PB) möchte Demokratie im Schulleben mit möglichst viel Leben füllen. Dafür haben die Lehrkräfte jetzt aus der Schülerschaft Verstärkung bekommen. Alexander Frolow hat sich beim Kreis Paderborn zum „Democracy Guide“ ausbilden lassen. Weitere Demokratieexpert*innen sollen folgen. Christiane Risse von der Regionalen Schulberatungsstelle des Kreises Paderborn bringt ihnen in vier Modulen bei, wie Demokratie in der Praxis funktioniert. Die ausgebildeten Schüler*innen werden zu einer wichtigen Stütze im Schulleben, und das auf Augenhöhe mit ihren Mitschüler*innen.  

Seine Aufgabe sieht Alexander Frolow unter anderem darin, in Konfliktsituationen auf dem Schulhof, bei Schulfesten oder im Unterricht zu deeskalieren. Immer neutral bleiben, die Ruhe bewahren, die Emotionen beruhigen und bei Bedarf eine Lehrkraft zu Hilfe holen – so lautet die Maxime des Demokratiescouts. Denn gelernt hat er in der Ausbildung auch, wie man Situationen händeln kann, in denen beispielsweise jemand diskriminiert wird. Konfliktlösung sowie der Umgang mit Hate Speech und Fake News ist neben Themen wie Kinder- und Menschenrechte, politische Partizipation, demokratische Werte und Demokratiekompetenzen eine der Säulen der Ausbildung. Diese soll die „Democracy Guides“ darin stärken, demokratische Werte und Respekt im Schulalltag zu leben und diese als Multiplikator*innen in ihr Umfeld weiterzutragen.

„Es ist wichtig, dass wir Demokratieexpert*innen haben, die in angespannten Momenten entgegenwirken und helfen“, betont Jacqueline Wolter, in im Politikunterricht beispielsweise immer mal wieder sensible Themen wie Religionsfreiheit behandelt. „Eine Ansprache von Schüler*in zu Schüler*in macht viel aus, um Konflikte kollegial zu lösen“, sagt die Politiklehrerin, die Alexander Frolow bei der „Democracy Guide“-Ausbildung begleitet hat.

Projekt zugunsten der Pausenräume anstoßen

Gelebte Demokratie soll sich auch in inspirierenden Projekten niederschlagen, bei denen die Schülerschaft verwirklichen kann, was ihnen wichtig ist. Handlungsbedarf gibt es am Berufskolleg in den Aufenthaltsräumen. Mensa, Schulbibliothek und Schulhof können eine Verschönerungskur vertragen – diese Projektidee ploppte in der „Democracy Guide“-Ausbildung auf. Dafür möchte man die Schülervertretung mit ins Boot holen. Ein im Rahmen der Ausbildung entwickelter Fragebogen soll in einem anschließenden Prozess alle Schüler*innen anregen darüber nachzudenken, wie die Rückzugsmöglichkeiten gemütlicher gestaltet werden können. Schule wird somit zu einem Trainingsplatz für Demokratie.

„Democracy Guides“ sollen langfristig als Instrument am Berufskolleg implementiert werden. Für den nächsten Ausbildungsdurchgang im neuen Schuljahr soll die Gruppe sogar noch breiter aufgestellt werden. „Ziel ist es, eine möglichst sprachlich vielfältige Gruppe zusammenzustellen, damit die Guides auch in der jeweiligen Muttersprache unterstützen können“, sagt Jacqueline Wolter, die auch in der Steuerungsgruppe für ein schuleigenes Demokratiekonzept mitwirkt. Zusammen mit ihren Kolleg*innen möchte sie viele Schüler*innen für Demokratie begeistern. Sie freuen sich, wenn sich viele Freiwillige finden, die den Mehrwert eines fundierten Demokratieverständnisses für sich erkennen – zumal das „Democracy Guide“-Zertifikat auch im Zeugnis vermerkt wird.